Der FVID-Kooperationspartner Deutsches Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V. berichtet in der Pressemitteilung 11/2021 vom 02.09.2021 von den Ergebnissen einer durchgeführten Energieberater- Umfrage, an der 219 unabhängige Energieberater/-innen teilnahmen. Initiator der Umfrage war der Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle e.V. (BuVEG). Das Ergebnis ist eindeutig: Bei der energieeffizienten Modernisierung der Gebäudehüllen gibt es noch sehr großen Nachholbedarf.

Von den befragten Energieberatern/-innen sind mehr als 9 von 10 der Meinung, dass zum Erreichen der Klimaziele eine ineffiziente Gebäudehülle der „Flaschenhals“ ist. Bei der Reduzierung der CO2- Emissionen hat dieser Bereich bisher seine Einsparziele verfehlt! Mehr als vier Fünftel der Energieberater bewerten die regierungspolitischen Maßnahmen und Fortschritte bei der effizienten Modernisierung des Gebäudebestands als schlecht oder sehr schlecht. Nur knapp 60 % der Befragten können sich vorstellen, dass Klimaneutralität im Gebäudesektor bis 2045 wirklich erreicht werden kann.

Anlagentechnik, zum Beispiel Wärmepumpen, steht höher im Kurs und wird mit besseren Förderkonditionen ausgestattet. Deren Wirksamkeit wird jedoch erheblich verschlechtert, wenn infolge einer ineffizienten Gebäudehüllen die Energie nicht im Gebäude bleibt und der Energiebedarf insgesamt nicht massiv reduziert wird. In der Praxis ist die Verbesserung der Energieeffizienz der Gebäudehülle jedoch nicht immer einfach machbar, denn nicht jedes Gebäude lässt sich (außen) dämmen! Viele Balkone, unregelmäßige Fassadengestaltung, Verzierungen, Versprünge, geringer Abstand zur Nachbarbebauung sind nur einige Argumente gegen eine Dämmung der Außenwände.

Dabei wäre die Lösung doch so einfach: sie lautet: „Besser innen dämmen!“ Der FVID e.V., der in 2021 sein 10-jähriges Jubiläum feiert, setzt sich seit seiner Gründung dafür ein, Dämmung der Gebäudehülle mit Innendämmung auszuführen. Marktstudien hatten gezeigt, dass durchschnittlich mindestens in 2 von 10 Fällen eine raumseitige Wärmedämmung der im Bestand ungedämmten Außenwände machbar wäre. Im Mittel ergibt sich grob geschätzt ein Marktpotenzial von etwa 5 Mio. m2 Innendämmung pro Jahr, eine Fläche so groß wie 700 Fußballfelder!

Unter Beachtung der anerkannten Regelwerke zur Planung von Innendämmungen mit entsprechend vereinfachten Nachweisverfahren (WTA-Merkblätter 6-4 und 6-5) wären aus Sicht des FVID e.V. Wärmedurchgangskoeffizienten für Massivwände im Bereich 0,45 - 0,50 W/(m2K) und für Sichtfachwerkwände im Bereich von 0,60 - 0,65 W/(m2K) ohne Weiteres realisierbar. Gegebenenfalls müssten dabei Wärmebrücken in den Bauteilanschlüssen an Decken, Innenwände oder Fensterleibungen mitberücksichtigt werden. Ein planvolles Vorgehen auf der Basis einer fundierter Zustandsanalyse und Bestandsaufnahme der vorhandenen Gebäude- und Bauteilqualität zur Zielerreichung ist in allen Fällen unerlässlich.

Mit den genannten U-Wert-Verbesserungen allein ist ein klimaneutraler Gebäudebestand kaum zu erreichen. Aber bevor gar nichts gemacht wird, ist das in jedem Fall die einfachere und bessere Lösung. Denn in Verbindung mit dem oben genannten Marktpotenzial an Innendämmung wäre es möglich, eine deutliche Verbesserung der energieeffizienten Eigenschaften von Außenwänden bei raumseitiger Dämmung zu erzielen und damit zumindest das Erreichen der geplanten Klimaschutzziele zu beschleunigen. Beispiel: bei U-Werten des unsanierten Gebäudebestandes – Baualter bis 1945 und massiver bzw. Fachwerk-Wandaufbau – in der Größenordnung von ca. 2,0-2,2 W/(m2K) könnte mit raumseitiger Wärmedämmung problemlos eine Reduzierung der Wärmeverluste über die Außenwände von mehr als 70 % bewirkt werden!

Daher ist es aus Sicht des FVID e.V. unbedingt erforderlich, die Förderbedingungen für Planung und Ausführung von Innendämmmaßnahmen zeitnah deutlich zu erhöhen, inkl. der üblicherweise förderfähigen Nebenkosten für erforderliche Umfeldmaßnahmen und Energieberatungsleistungen.