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Der Deutsche Bundestag hat am 26. Juni 2019 den Baukulturbericht 2018/19 „Erbe – Bestand – Zukunft“ der Bundesstiftung Baukultur behandelt und eine Beschlussempfehlung des Ausschusses für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen zum Baukulturbericht angenommen. Die Regierung ist nun aufgefordert, die darin formulierten Handlungsempfehlungen politisch umzusetzen.

Der Baukulturbericht 2018/19 „Erbe – Bestand – Zukunft“ fokussiert u.a. schwerpunktmäßig die Bedeutung und die Potentiale unseres Gebäudebestandes, mit dem Ziel neue Perspektiven für das gebaute Erbe zu eröffnen. Bestandsarchitekturen und -infrastrukturen sind nicht nur kulturell bedeutend: Sie verfügen über soziale, ökologische und ökonomische Werte, in denen der Schlüssel für eine zukunftsweisende Baukultur liegt.

Eine der wesentlichen Kernbotschaften im Baukulturbericht 2018/19 ist die Forderung nach einer

Etablierung der Umbaukultur.

Demnach sind bei der Weiterentwicklung gebauter Strukturen bestehende Qualitäten zu erkennen, wertzuschätzen und zu pflegen. Umbaukultur geht über die rein ökonomische Bewertung hinaus und beinhaltet gesamtgesellschaftliche und ökologische Interessen. Qualifizierte Handwerkstechniken, nachhaltige Baustoffe und flexible Lösungen sichern baukulturelle Werte, von kleineren Umbaumaßnahmen über energetische Sanierungen bis hin zu stadtverträglichen Neubauten.
Als wichtige Handlungsempfehlungen auf dem Weg zur Umbaukultur wurden festgehalten:

Bestand halten und weiterentwickeln!

Auf-, An- oder Umbauten können zeitgemäße Lösungen für Bestandsgebäude darstellen. Diese Maßnahmen leisten einen Beitrag zur ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit. Dabei muss der Fortbestand identitätsstiftender regionaler Elemente sichergestellt werden.

Historischen Kontext als Ausgangslage für Neubau stärken!

Baukultur zeigt sich anhand historischer Schichten, deren Besonderheiten das Wesen eines Ortes ausmachen. Neue bauliche Strukturen werten Orte auf - vorausgesetzt, die Vorhaben beziehen sich auf lokale Qualitäten und entwickeln diese weiter.

Materielle und immaterielle Werte sichern!

Nur durch eine gezielte Vermittlung können baukulturelle Werte erkannt und gehalten werden. Der Gesellschaft kommt dabei die Rolle des Verwalters des materiellen und immateriellen Erbes für die nächste Generation zu. Diese Verantwortung ist als gemeinschaftliche Aufgabe von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft wahrzunehmen.

Die Handlungsempfehlungen des Baukulturberichts 2018/19 zielen darauf ab, durch kluge Bestandsentwicklung Ressourcen zu schonen und baukulturelle Qualitäten zu sichern. Empfohlen wird außerdem, gemischte Quartiere weiterzubauen, um Flächenverbrauch zu reduzieren und die Nutzungsvielfalt zu erhöhen. Der Bericht spricht sich für offene, lösungsorientierte Planungsabläufe unter Einbezug aller Beteiligter aus und plädiert für eine verantwortungsvolle Boden- und Liegenschaftspolitik.

Bauen im Bestand und energetische Sanierung

Die energetische Sanierung des Gebäudebestandes ist wichtig, damit die Klimaziele erreicht werden. Laut Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V. (GdW) wurden seit 1990 bis heute an rund 66 % der Wohnungsbestände energetische Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, mehr als die Hälfte davon waren Vollsanierungen. Zu einem anderen Ergebnis kommt dagegen der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter e. V. Dem Verband zufolge sind 90 % aller energetischen Sanierungsmaßnahmen nur Teilsanierungen.

Auch die Qualität der früheren Maßnahmen entspricht nicht den heutigen Anforderungen - denn erst seit Einführung der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2002 müssen bei Sanierung, Anbau, Umbau oder Ausbau von Bestandsgebäuden bestimmte energetische Bedingungen erfüllt werden. Die EnEV verpflichtet zu einer energiesparenden Bauweise und Heiztechnik bei Gebäuden. Seit der Einführung 2002 findet eine kontinuierliche Verschärfung dieser Verordnung statt, die letzte Novellierung erfolgte 2016. Gegenstand der Neuerung war eine weitere Reduzierung der Primärenergiebedarf- Grenzwerte um 25 % für Neubauten gegenüber der EnEV 2009. Für die Sanierung des Bestandes erfolgten keine Verschärfungen gegenüber 2009. Für denkmal geschützte Gebäude und erhaltenswerte Bausubstanz sieht die EnEV abweichende Anforderungen vor. Sofern durch energetische Maßnahmen eine Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes zu befürchten ist, kann von den Anforderungen der EnEV abgesehen werden.

Unter https://www.bundesstiftung-baukultur.de/bestellformular-baukulturbericht kann der Baukulturbericht 2018/19 „Erbe – Bestand – Zukunft“ der Bundesstiftung Baukultur kostenfrei bestellt werden.

Gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden oder besonders erhaltenswerten Fassaden, aber auch bei Eigentumswohnungen oder wenn außen schlicht kein Platz ist, z. B. wegen des Bürgersteigs, sind Innendämmungen im Bestand eine gute Möglichkeit, Gebäude nachträglich zu dämmen und deren Energieeffizienz nachhaltig zu verbessern. Bliebe ein Großteil solcher Außenwände ungedämmt, wären die energetischen Klimaziele der BRD wohl kaum erreichbar. Der bereits 2011 gegründete Fachverband Innendämmung (FVID) e. V. hat sich die ganzheitliche, technologieneutrale und ergebnisoffene Betrachtung von Innendämmungen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg unter Berücksichtigung der anerkannten Regeln der Technik - hier insbesondere der gültigen Merkblätter der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e. V. (WTA) - zum Ziel gesetzt. Von der Planung und Bemessung der Dämmstoffsysteme über die situationsabhängige Materialauswahl und die Berücksichtigung von Anschluss- und Wärmebrückendetails bis hin zur fachgerechten Ausführung und der abgestimmten Nutzung sind alle Lebensphasen von Bedeutung für die Dauerhaftigkeit von Innendämmungen. Besser innen dämmen!