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Konjunkturprognose 2020 des ZDB

Corona-Pandemie führt im Jahresverlauf zu deutlichem Umsatzrückgang.

In einem optimistischen Szenario wird damit gerechnet, dass die die Bauwirtschaft am Ende des Jahres denselben Umsatz wie 2019 erwirtschaftet hat, was real immer noch einen Rückgang von ca. 3 % bedeuten würde. Wenn es schlechter läuft, können es auch nominal - 2 % bzw. real -5 % werden.

Die Abfolge von Pandemie und freiheitsbeschränkenden Maßnahmen hat einen Angebotsschock quer durch die Volkswirtschaft mit einem unmittelbar nachfolgenden Nachfrage- schock ausgelöst. Die Corona-Krise zwingt auch die Bauwirtschaft zu einer Neubewertung der Erwartungen. Aus verschiedenen Umfragen ist erkennbar, dass bereits sehr früh Aufträge in deutlichem Umfang storniert wurden. Im zweiten Halbjahr 2020 wird mit einer weiter nachlassenden Ordertätigkeit gerechnet.

Wohnungsbau

Das Immobilien-Forschungsinstitut empirica verweist darauf, dass die Nachfrage nach Wohnraum zumindest in den kommenden Wochen von der Epidemie stark gezeichnet ist. Nicht nur der Zuzug aus dem Ausland ist im wahrsten Sinne des Wortes begrenzt, auch die starke Binnenwanderung ist unterbrochen.

Die Situation am Arbeitsmarkt bremst voraussichtlich die Investitionsabsichten privater Eigenheimbauer: Nach Einschätzung der Arbeitsmarktexperten des IAB kostet die Wucht des Pandemie-Schocks viele Arbeitsplätze. Das IAB erwartet, dass die Zahl der Arbeitslosen 2020 im Jahresdurchschnitt um 520.000 höher liegen wird als 2019. Die Zahl der Kurzarbeiter wird im Jahresdurchschnitt bei 2,5 Mio. erwartet. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 – zur Finanzmarktkrise – erreichte die Zahl der Kurzarbeiter in der Spitze die Zahl von 1,4 Mio.

Die Immobilienakademie IREBS und auch empirica verweisen zudem auf sich ändernde Bedingungen für institutionelle Anleger an den Finanzmärkten. Kursverluste an den Börsen führen auch zu Liquiditätsentzug für den Immobilienmarkt. Auch stellten sich mit den vielen nationalen Hilfsprogrammen neue Alternativen bei Anlagestrategien. Erwartet wird, dass Banken ihre Kreditkonditionen mittelfristig nach dem Ausfallrisiko der Branchen bewerten. Hier könnten sich für die Dienstleistungsbereiche neue Bedingungen ergeben.

Nach einer Umfrage des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) bewegten sich die Mietausfälle und -stundungen im Befragungszeitraum Mitte April noch auf einem relativ niedrigen Niveau. Drei Viertel der Umfrageteilnehmer rechnen aber in Zukunft mit höheren Mietausfällen. Im Gewerbebereich seien die Ausfälle bereits deutlich höher. Der GdW verweist auf die Auswirkung von Mietausfällen auf Investitionen und Instandhaltung: „Wenn immer mehr Mieter mit Einkommensausfällen zu kämpfen haben und es nicht mehr schaffen, ihre Miete zu zahlen, hat das unmittelbare Folgen: Viele Wohnungsunternehmen müssen in der Corona-Zeit deshalb ihre Investitionen zurückfahren und auch bei den Instandhaltungen planen jetzt schon viele Unternehmen Einschnitte“.

Im Wohnungsbau wirkt der in den letzten Jahren nicht abgebaute Bedarf an Wohnungen stützend. Die Nachfrage ist in dieser Bausparte nachhaltig gegeben, weswegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie hier eher temporär sein.

Die Prognose der Umsatzentwicklung im Wohnungsbau für 2020 wird aus heutiger Sicht als Trendaussage von +7 % auf ca. +3 % angepasst. Dies impliziert ein reales „Nullwachstum“. Dabei ist berücksichtigt, dass der Bestand an Baugenehmigungen einen Vorlauf von knapp zwei Jahren hat und die Order auch im Januar und Februar weiter deutlich zulegten (+16,5%). Hier kommt es eher zu einer angebotsseitigen temporären „Entschleunigung“.

Die Baufertigstellungen werden auf dem Niveau von 2019 bei ca. 300.000 Wohnungen erwartet (bisher für 2020 prognostiziert 310.000 Wohnungen).

Wirtschaftsbau

Der Lockdown hat viele Wirtschaftsbereiche erfasst. Als besonders betroffen gelten der Einzelhandel und Dienstleistungen in den Bereichen Freizeit, Unterhaltung, Kultur, Beherbergung und Gaststätten sowie Bildung, Erziehung und Betreuung. Industrieunternehmen drosseln zudem ihre Produktion teilweise erheblich, da infolge der globalen Pandemie-Bekämpfung Lieferketten gestört und Aufträge weggebrochen sind.

Die Forschungsinstitute sehen einen deutlichen Konjunktureinbruch als Folge der Corona- Pandemie. Die Schrumpfung des Bruttoinlandsproduktes wird in 2020 um 4,2 % erwartet. Im Vergleich zum Herbst 2019 revidieren die Institute ihre Prognose für das laufende Jahr damit kräftig um 5,3 Prozentpunkte nach unten.

Dabei wurde unterstellt, dass sich das Einfrieren von Teilen der Wirtschaft über eine Dauer von fünf Wochen von Mitte März bis Mitte April erstreckt. (Damit wird hier eine Wiederingangsetzung der deutschen Wirtschaft nach Ostern eingepreist.) Zwischenzeitlich ist allerdings bekannt, dass weitreichende Lockerungen erst Mitte bis Ende Mai wirksam werden.

Die bisherige Prognose der Umsatzentwicklung im Wirtschaftsbau für 2020 kann nicht aufrechterhalten werden, weil insbesondere die die Nachfrage tragenden Säulen des Dienstleistungsbereiches von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Als Trendaussage wird aus heutiger Sicht (Anfang Mai 2020) die Erwartung zur Umsatzentwicklung von +5,5 % auf ca. -3,5 % angepasst.

Öffentlicher Bau

In Folge der Corona-Pandemie brechen Steuer- und andere Einnahmen der Kommunen erheblich ein. Die Kommunen sind mit einem Anteil von 60 % der wichtigste Auftraggeber öffentlicher Bauinvestitionen. Nach Einschätzung des Präsidenten des Deutsche Städtetags, Burkhard Jung, werden die kommunalen Haushalte so hohe Einbußen erleiden, wie sie sie in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gesehen haben.

Mindestens 15 bis 20 % der Gewerbesteuer könnten im Bundesdurchschnitt wegbrechen, möglicherweise sogar noch deutlich mehr. Bei der letzten Steuerschätzung im November 2019 war die Gewerbesteuer auf ca. 55 Mrd. € veranschlagt worden. Ein Verlust von ca. 20 %, allein bei der Gewerbesteuer, bedeutet mithin Einnahmeverluste von über 10 Mrd. €. Zudem weisen die Kommunen auf Mehraufwendungen im sozialen Bereich hin.

In vielen Kommunen werden Haushaltssperren verhängt, da angesichts der wegbrechenden Einnahmen konsumtive und investive Ausgaben gekürzt werden müssen. Das bedeutet auch, dass keine neuen Investitionsprojekte mehr beauftragt werden.

Der Deutsche Städtetag fordert daher einen kommunalen Rettungsschirm. Bund und Länder seien in der Pflicht, die Handlungsfähigkeit der Kommunen aufrecht zu erhalten. Die Bauverbände unterstützen dies ausdrücklich.

Selbst wenn ein solches Programm, für das die Konjunkturpakete aus der Finanzkrise als Muster dienen können, zeitnah beschlossen wird, tritt dessen Wirksamkeit erfahrungsgemäß zeitverzögert ein.

Die Prognose der Umsatzentwicklung im öffentlichen Bau für 2020 wird aus heutiger Sicht von +4 % als Trendaussage auf 0 % angepasst. Dabei ist eingepreist, dass der Bund beabsichtigt, seine geplanten Budgets für die Infrastruktur umzusetzen. Dies ist angesichts der Herausforderungen bei der Überleitung der Auftragsverwaltung der Länder auf den Bund im Autobahnbau bereits sehr anspruchsvoll. Die stagnierende Orderentwicklung im Straßenbau bringt diese Schwierigkeiten zum Ausdruck.

Kapazitäten und Investitionen

Bei einer erwarteten nachlassenden Dynamik bei der Nachfrage nach Bauleistungen ist mit einem erhöhten Preiswettbewerb und damit abgeschwächten Preisauftrieb zu rechnen (statt +4 % im Jahresverlauf 2020 nur noch+3 %). Die reale Umsatzentwicklung wird daher bei -3 % bis -3,5 % erwartet (siehe Tabelle 10).

Insgesamt aber bleiben die Herausforderungen bei der Infrastruktur und im Wohnungsbau in Deutschland hoch. Angesichts der in den Folgejahren zu bewältigenden Baunachfrage werden die Unternehmen bestrebt sein, die Zahl der Beschäftigten zu halten, in 2020 aber nur geringfügig auf 875.000 ausbauen.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) hat im Mai 2020 seine ausführliche Analyse zur Konjunkturentwicklung und zur wirtschaftlichen Lage der Bauunternehmen veröffentlicht. Diese kann als PDF heruntergeladen werden unter

https://www.zdb.de/fileadmin/dokumente/Meldungen/2020/Konjunkturprognose_Mai_2020_fi nal_Web.pdf