11/2026 Feuchteüberwachung von schlagregenbelasteten Bestandswänden mit Innendämmung (Monitoring), Sinn und Zweck

Einleitung

Die Innendämmung wird im deutschsprachigen Raum nach wie vor überwiegend mit dem Kondensationsrisiko in der sogenannten Tauebene zwischen Außenwand und Dämmmaterial in Verbindung gebracht. Es sind jedoch auf jeden Fall zusätzliche Aspekte bei der Planung bzw. bei der Montage einer Innendämmung zu bedenken. Abbildung 1 gibt einen vollständigen Überblick:

Abbildung 1: Übersicht über die tatsächlichen Risiken einer Innendämmung

Fokussierung auf die Tauwasserproblematik

Seit den Ausführungen von Helmuth Glaser [1] liegt der Fokus in Deutschland auf das mögliche Kondensationsrisiko während der Winterperiode im kalten Bereich hinter der Innendämmung (siehe Abbildung 1: „① inneres Risiko“). Die tatsächlichen Auswirkungen der Diffusion auf den Gesamtfeuchtegehalt einer innengedämmten Wand werden oft überschätzt. Tatsächlich findet sich auf dem deutschen Markt jedoch kein Innendämmsystem, welches nicht eine Lösung für dieses Risiko mitbringt.

Bedeutung des Schlagregenschutzes

Für die Abtrocknung eingedrungenen Regenwassers wird Energie benötigt (Verdunstungskälte). Durch die Innendämmung erreicht weniger Wärmeenergie die Außenwand. Durch diese Abkühlung der Wand nach erfolgter energetischer Sanierung wird diese nun langsamer abtrocknen. Aus diesem Grund kommt der Wirksamkeit des Schlagregenschutzes eine größere Bedeutung zu. Je nach geographischer und/oder städtebaulicher Lage kann die Belastung durch Schlagregen zu steigender Durchfeuchtung in Folge der Innendämm-Maßnahme führen. Hier ist der Einzelfall zu prüfen und ggf. der Schlagregenschutz zu ertüchtigen.

Schlagregenschutz in der Sanierung bzw. im Gebäudebestand

Die Beurteilung des Schlagregenschutzes bestehender Gebäude ist komplex. Insbesondere ist die Abschätzung der langfristigen Schlagregensicherheit unter Umständen kaum möglich. Auch wenn der Schlagregenschutz zum Zeitpunkt der Sanierung völlig ausreichend war, so können beispielsweise Verwitterungsprozesse eines vorgeschädigten Putzes oder Beschädigungen eines Altanstriches zu einer unzulässigen Erhöhung der Wassergehalte infolge des Regens führen [2]. Weitere Informationen zum Schlagregenschutz können dem FVID – Nachgedacht 10/2024 „Schlagregenschutz bei hoher Kapillarität der Fassade?“ entnommen werden.

Abbildung 2: Schutzprinzipien des Schlagregenschutzes

Vorteile eines Monitorings

Unter Monitoring wird im Bauwesen die langfristige und ständige Überwachung insbesondere der Feuchte in Bau-teilen bzw. in Baustoffen verstanden. Vor allem im Fachwerk wird die messtechnische Überwachung der sich langfristig einstellenden Wassergehalte im Tragwerk schon länger eingesetzt. Im Fokus stand bislang der Nachweis der Funktionstüchtigkeit einer Innendämmung. Im Forschungsprojekt „Fachwerk 2.0“ im Hessenpark [3] kommen solche Monitoringsysteme zur Überwachung der Holzfeuchte im Ständerwerk auch bei höheren Dämmdicken zum Einsatz.

Zunehmend kommen Monitoringsysteme zum Einsatz, die vielmehr die langfristige Feuchteentwicklung des Bauteils überwachen. Ein Beispiel ist das Feuchtemonitoring von Flachdachsystemen: Hier soll bei kleinen Leckagen sofort Alarm gegeben werden, um massive Feuchteschäden bereits im Vorfeld zu vermeiden [4]. Das Monitoring einer durchgeführten Innendämm-Maßnahme, einschaliger Außenwände mit unklarem Schlagregenschutz verfolgt einen analogen Zweck: Da die langfristige Entwicklung des Schlagregenschutzes bzw. die ausreichend rasche Abtrocknung von Regenwasser nicht dauerhaft sichergestellt werden kann, bietet die Überwachung der Wasserge-halte eine zusätzliche Sicherheit. Sobald unzulässig hohe Wassergehalte innerhalb der Konstruktion – unabhängig ob durch Schlagregen, Havarie der Wasser- oder Heizungsversorgung oder Kondensat – auftreten, gibt ein solches System dem Nutzer bzw. dem Gebäudebetreiber Bescheid, bevor der Feuchteschaden eingetreten ist. Die notwendige Sanierungsmaßnahme kann dann frühzeitig festgelegt und durchgeführt werden.

Fazit

Die Feuchteüberwachung einer schlagregenbelasteten Außenwand mit Innendämmung bietet die Möglichkeit der langfristigen Kontrolle der Außenwand. Gerade wenn der bestehende Schlagregenschutz der Fassade nicht abgeschätzt werden kann, bieten solche Systeme eine hohe zusätzliche Sicherheit und können bestehende Restrisiken minimieren. Gleichzeitig zeigt ein Monitoring an, zu welchem Zeitpunkt eine Fassadensanierung erfolgen muss.

Literaturangaben

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